Kulturbericht Oberösterreich

Doppelportrait Monika Melichar und László Weis:

Papier ist eine Landschaft 

Gerald Polzer

Ihr Atelier nennt sich Archiv. Hier weitab aller Öffentlichkeit ergibt sich die Möglichkeit zum Rückzug und Ruhe zur Arbeit. ln Lambach haben sich Monika Melichar und László Weis ein Refugium geschaffen, wo über den Rand hinausgedacht wird und die Urkraft des Zeichnens neue Räume schafft. Die beiden betrachten die Umwelt von verschiedenen Gesichtspunkten, haben jedoch einen gleichen Grundsatz: Der genaue Blick auf das Kleine, Exakte und Präzise.

ALLES ZEICHNUNG

Die Jahrtausendwende war ein Großereignis – auch für Monika Melichar und László Weis. Sie lernten einander kennen und spürten sofort, dass ihre ,,Lebenslinien” nicht zufällig aufeinander prallten. Im Lauf der Jahre wuchsen sie gleichberechtigt zu einem kleinen Kollektiv, das ständigen Austausch und gegenseitige Befruchtung sucht. Die Zeichnung ist der Dreh- und Angelpunkt ihres Werkes – sie steht im Mittelpunkt und vermittelt die Urkraft des menschlichen Seins. ,,Wir führen praktisch die Höhlenmalerei oder besser Höhlenzeichnerei fort. Man kann Zeit zeichnen und auf der Landschaft Papier neue Räume schaffen.”

Künstlerpaar

Foto: W + K

  Monika Melichar und László Weis

 

GENAUER STRICH

Weis lernte sein grafisches Handwerk an der Holzfachschule in Hallstatt und arbeitete später als Perspektivenzeichner für Architekten und Ladenbaufirmen. Doch sein kreativer Geist schaffte sich Raum, schon 1976 begann er mit Kaltnadelradierungen, Zeichnungen und Gemälden als freier Künstler zu arbeiten. ,,Mit dem Öl habe ich bald wieder aufgehört, zu viel Patzerei. Das Faszinierende an der Grafik ist die Genauigkeit, der Strich ist da und bleibt. Wer zeichnet, muss wirklich etwas können.” Monika Melichar ist reine Autodidaktin und hat ihr frühes Interesse für Mikroorganismen mit Tusche, Feder und Farbstiften dargestellt. So entstehen eigene Welten, ein Kosmos des Winzigen, Mikroben und Quallen werden millimetergenau aus der Unsichtbarkeit ins Licht geholt.

,,Die kleinen Dinge werden zu wenig gesehen und geachtet. Bestes Beispiel ist die Arbeit eines Bienenvolkes – sie ist immens wichtig, wird aber nicht wirklich registriert. Meine Aufgabe ist es, das Feinstoffliche zu spüren und über meine Bilder die Außenwelt abfließen zu lassen.”

Mikroskop & Landschaft

Im Archiv wird auf zwei Etagen gewerkt. Während Monika auf der Galerie mit dem Mikroskop immer neue Ideen für ihre Bilder findet, arbeitet László zur ebenen Erde an einem neuen Abschnitt seines Schaffens –  großformatige Landschaftszeichnungen. ,,Das sehe ich auch als eine Art Reminiszenz an meinen alten Freund Othmar  Zechyr – die Zeit solch großer Arbeiten ist für mich einfach gekommen.”

Wie gut die beiden harmonieren, kann auf der Kunstmeile in der Welser Dragonerstraße besichtigt werden. Die umtriebige Renate Pyrker hat ihnen die Gelegenheit geboten, auf großformatigen Flächen gemeinsame Arbeiten zu präsentieren. Diese völlige Öffentlichkeit ist ein passender Kontrapunkt zur künstlerischen Idee. Zeichnen passiert in der Stille, aus kleinen Strichen wird ein gesamtes Großes, das Kleine, Unsichtbare wird offen und sichtbar. Diese Arbeit am Feinen und Haargenauen nimmt nie ein Ende, daher lautet das Motto von Weis und Melichar: Zeichnen bis zum Umfallen!